Wieso? Deutschland, Amerika, die EU, die Weltbank, der Internationale Währungsfonds und weitere Institutionen und Nationen, die offenbar alle an Geldfülle leiden, subventionieren mit hohen Millionenbeträgen die Palästinensische Autonomiebehörde (PA). Geld strömt in Projekte zur Meerwasserentsalzung. Geld strömt in Projekte zum Brunnenbohren. Geld strömt für die Schulen und die Schulbücher. Geld strömt für die palästinensischen Medien, etwa den Fernsehsender PA-TV. Geld strömt, um die «Sicherheitsdienste» zu finanzieren. Geld strömt, um die aberwitzige Zahl palästinensischer Beamten zu bezahlen. Geld strömt, um die Wirtschaft in Gang zu bringen.
Geduldig bleichen Schilder «Hier bohrt die Europäische Union Brunnen» in der Sonne. Die Schulbücher strotzen vor Lügen und antisemitischer Hetze. Die Medien, etwa PA-TV, rufen zum Mord an Israelis auf und übertragen die Hasspredigten radikaler Mullahs. Das Meerwasser bleibt Meerwassser. Aber wo bleibt das Geld? Hat sein Verbleib damit zu tun, dass Gaza einem Waffenlager gleicht? Wieso gibt der Westen so viel Geld, obwohl diese Fakten bekannt sind?Weshalb? Deutschland, die Amerikaner, die EU setzen Israel unter Druck: Israel solle den Palästinensern mit weitergehenden Zugeständnissen entgegenkommen. Deutschland, die Amerikaner, die EU wissen, dass die Hamas – die im Gazastreifen faktisch regiert und dieses Land nach Kräften terrorisiert und ruiniert – einen Staat Israel niemals anerkennen wird.
Die Hamas ist mit der Autonomiebehörde zerstritten. Die Streitkultur von Hamas und PA entspricht nicht ganz den Empfehlungen der Vereinigung deutscher Schulpsychologen, einige Hundert Kombattanten bleiben jedes Jahr tot auf der Strecke zurück. Einig sind sich Hamas und PA aber darin, einen jüdischen Staat unter keinen Umständen anzuerkennen. Der Hamas-PA-Konsens lautet: Friede ist, wenn Israel nicht mehr ist. Die Fakten zeigen, dass israelisches Entgegenkommen noch nicht ein einziges Mal ein Mehr an Frieden oder gar Versöhnung gebracht hat. Weshalb fordert der Westen Israel zu einem buchstäblich aussichtslosen Verhalten auf?

Warum? Der Westen und die Welt fordern von Israel die Rückgabe von Gebieten, die Israel im Zuge von Verteidigungskriegen erobert hat. Warum tun sie das, obwohl sie wissen, dass der Gazastreifen, den Israel in verzweifelter Hoffnung geräumt hatte, seither unter palästinensischer Hoheit in Gewalt, Unterdrückung, Misswirtschaft, Korruption und Terror nach innen und aussen versinkt? Gaza ist ein Quell der Gewalt, eine Ausbildungsstätte für Mord und Terror, eine Brutstätte von Hass geworden. Das ist offenkundig. Warum also glauben der amerikanische Präsident und die deutsche Kanzlerin, und mit ihnen die meisten europäischen Politiker, es sei dem Frieden dienlich, Israel erneut zu solch einem Schritt zu drängen?

Wozu? Im vergangenen Jahrhundert, und in all den Jahrhunderten zuvor, hat viel Land die Staatlichkeit gewechselt. Nach jedem Krieg müssen die Kartografen ans Werk. Was vor dem deutschen Angriffskrieg deutsch war, ist heute polnisch. Jeder Vernünftige ist der Ansicht, dass das auch so bleiben muss. Deutschland war der Aggressor, der Polen überfallen hat. Nur im Falle von Israel ist alles anders: Israel soll «besetzte Gebiete» zurückgeben, die es im Zuge von aufgezwungenen Kriegen erobert hat. Wozu soll das gut sein, warum gelten hier andere Massstäbe? Bemerkenswerterweise hat Israel das meiste Land, in dessen Besitz es auf diese Weise kam, zurückgegeben, etwa den Sinai an Ägypten, eine Fläche, die kaum kleiner ist als der ganze Staat Israel.

Wofür? In palästinensischen Gebieten darf kein Jude leben. Das ist Gesetz. Sollte es einer versuchen: Er würde ermordet. Wer in den Gebieten der Palästinenser an einen Juden Land verkauft, der hat nach dem Willen von Mahmud Abbas sein Leben verwirkt (Abbas gilt, nach offizieller westlicher Lesart, als «gemässigt»). Das Palästina, das sich die Welt so herzlich wünscht, wäre ein offen rassistischer Staat, so wie schon jetzt die PA-Gebiete rassistisch sind. Wofür machen sich Europa und die Amerikaner stark, wenn sie einem Palästinenserstaat den Weg bereiten? Gibt es zu wenige Staaten auf der Welt wie Syrien, Saudi-Arabien, Iran, Afghanistan und Jemen, in denen Menschen jeden Alters und Geschlechts gefoltert werden, in denen Frauen unterdrückt, keiner frei seine Meinung sagen darf, der Jude nicht Jude, der Christ nicht Christ sein darf? Wie kommt es, dass überall Multikulti gelten soll und man zugleich mit Palästina einen Staat fordert und fördert, dessen Grundlage der Gedanke einer religiösen und ethnischen Säuberung ist?


© Magazin factum 08/2011, S. 10 (www.factum-magazin.ch); Artikel mit freundlicher Genehmigung vom Autor Thomas Lachenmaier wiedergegeben.

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