In der Zeit vor der Staatsgründung erzählten sich die Araber in Palästina eine kleine Geschichte, in welcher das Verhältnis zwischen ihnen und den Juden, speziell den jüdischen Einwanderern, deutlich zum Ausdruck kam: 

Ein Araber ritt auf seinem Esel gen Jerusalem und begegnete einem Juden, der zu Fuss ging. Er lud den Mann ein, mit ihm auf dem Esel zu reiten. Der Jude bedankte sich, kletterte auf den Esel und fragte: Wie schnell ist denn dein Esel?“ Der Araber gab dem Tier den Stock und sie trotteten zu dritt weiter des Weges. Nach einer Weile meinte der Jude, vom Reisetempo beeindruckt: „Ich bin erstaunt, unser Esel ist trotz der Last wirklich schnell unterwegs.“ Augenblicklich stoppte der Araber das Tier und hiess den Juden absteigen. „Aber weshalb denn“, fragte dieser. Weil ich befürchte“, antwortetet der Araber, „dass du sonst bald sagen wirst, wie schnell doch dein Esel sei.“

 

Soweit die kleine Geschichte. Wer die historischen Fakten kennt, weiss jedoch, dass sie in Wahrheit etwas anders erzählt werden müsste. Ich würde sagen, in etwa so:

 

Ein Araber ritt auf seinem Esel gen Jerusalem und begegnete einem Juden, der zu Fuss ging. Der Jude fragte, ob er nicht auch auf dem Esel Platz habe. Der Araber schlug ihm vor, den Esel doch zu kaufen, schliesslich war er auf dem Weg zum Markt. Der Jude willigte ein, kaufte das Tier und anerbot dem Araber, mit ihm bis zum Markt mit zu reiten. Der Araber bedankte sich und kletterte zurück auf den Esel. Sie gaben dem Tier den Stock und trotteten zu dritt weiter des Weges. Nach einer Weile meinte der Jude, vom Reisetempo beeindruckt: „Ich bin erstaunt, unser Esel ist trotz der Last wirklich schnell unterwegs. Es war ein guter Kauf, den ich da gemacht habe.“ Augenblicklich stoppte der Araber das Tier und hiess den Juden absteigen. „Aber weshalb denn“, fragte dieser. „Weil ich dir den Esel eigentlich gar nicht verkaufen wollte“, antwortetet der Araber, „schliesslich war es schon immer mein Esel und du kannst ruhig weiterhin zu Fuss gehen.“

 

Natürlich ist auch dies keine absolut „korrekte“ Geschichte, es gab (und gibt) Vorkommnisse, wie sie die erste Geschichte beschreibt, wie solche der zweiten Fassung. Aber die zweite Ausführung beschreibt m.E. doch in groben Zügen mehr von der Wahrheit, wie diese hinter den Fakten der Geschichte Palästinas zu finden ist. Und vor allem tut die ganze Welt heute so, wie wenn es die zweite Geschichte nicht geben würde!

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