Unser Leit-Spruch «Der Weg ist das Ziel …» ist ganz bewusst ein ganz klein wenig provokativ. Es gibt Christen, die der Meinung sind, dies sei eine humanistische Aussage, welche dem Evangelium widerspreche (z.B. wegen Joh 14,6, wo Jesus sagt, ER sei der Weg). Sie sagen, das einzige Ziel sei Jesus Christus beziehungsweise seine Erlösungstat am Kreuz von Golgatha. Dieses Ziel sei erfüllt. Und damit könne auch nicht «der Weg das Ziel» sein. Deshalb hier ein paar Gedanken zu diesem Thema.
Grundsätzlich haben wir – wenn wir hier über unseren Spruch diskutieren – eines der Ziele schon erreicht. Denn wir wollen mit dem Spruch «provozieren»! «Provozieren» kommt vom lateinischen Wortstamm «provocare» und bedeutet «herausfordern» oder auch «das gezielte Hervorrufen einer Reaktion». Nämlich einer Reaktion bei unseren Mitmenschen. Der Spruch soll unsere Gegenüber veranlassen, nach dem Sinn hinter der Aussage zu fragen. Denn dann können wir darauf verweisen, dass dies nur der erste Teil der Aussage ist. Deshalb auch die drei Punkte (…) am Ende der Aussage. Der zweite Teil beziehungsweise der vollständige Spruch lautet:
Denn einerseits stimmt es natürlich voll und ganz, dass durch den Tod und die Auferstehung Jesu alles vollbracht ist. Wie dem neben Jesus gekreuzigten Menschen reicht ein von Herzen kommendes Bekenntnis zu Jesus als unserem Retter auch in letzter Minute noch völlig aus. Gott ist so souverän, dass er jederzeit tun kann, was er will. So gesehen – quasi vom Ende her – ist wirklich nicht der Weg das Ziel. Wenn ein Mensch sich aber darauf verlässt, dass er dann diese Gelegenheit am Ende seines Lebens wirklich noch bekommt, dann sitzt er unseres Erachtens ziemlich weit draussen auf einem sehr dünnen Ast …

Andererseits schreiben wir hier jedoch für die «normalen» Menschen, und deswegen gehen wir auch von der üblichen Situation aus. Denn in den meisten Fällen finden die Menschen irgend einmal im Laufe ihres Lebens zum Glauben an Jesus Christus, und dann ist tatsächlich auch «der Weg das Ziel». Deshalb nennen wir uns auch «Peregrini», was ja Pilger heisst. Unser ganzer Lebensweg ist ein einziger Pilgerweg unterwegs zu Gott. Wir sind ein ganzes Glaubensleben lang dazu aufgerufen, den richtigen Weg in der Nachfolge Jesu zu gehen. Alles andere wäre das, was Dietrich Bonhoeffer eine «billige Gnade» genannt hat. Dies sagt uns Jesus selbst und auch die Apostel. Es ist also wirklich eine auch theologisch richtige Aussage. Nachstehend ein paar der aussagekräftigsten Stellen (am Schluss dann noch einige mehr, die man selbst nachschlagen kann):

Diverse Aussagen im Neuen Testament, die belegen, dass es einen breiten = falschen Weg und einen schmalen = richtigen Weg gibt. Jesus sagt, dass es unsere Aufgabe (= unser Ziel) ist, diesen richtigen Weg zu gehen. So z.B.:

«Geht durch das enge Tor! Denn das weite Tor und der breite Weg führen ins Verderben, und viele sind auf diesem Weg. Doch das enge Tor und der schmale Weg führen ins Leben, und nur wenige finden diesen Weg.» (Mt 7,13-14)

«Wenn du den Weg gehen willst, der zum Leben führt, dann halte die Gebote!» (Mt 19,17)

«Wer nicht sein Kreuz trägt und mir auf meinem Weg folgt, der kann nicht mein Jünger sein.» (Lk 14,27)

«Jesus erwiderte: Das Licht ist nur noch kurze Zeit unter euch. Geht euren Weg im Licht, solange ihr das Licht habt, damit die Finsternis euch nicht überfällt. Wer in der Finsternis unterwegs ist, weiß nicht, wohin sein Weg ihn führt.» (Joh 12,35)

«Den Weg, der dorthin führt, wo ich hingehe, kennt ihr ja.» (Joh 14,4)

«Du hast mir den Weg gezeigt, der zum Leben führt, und dass ich in deiner Nähe sein darf, erfüllt mich mit Freude.» (Apg 2,28)

Petrus sagte: «Diese Generation ist auf einem verkehrten Weg!» (Apg 2,40)

Die versammelten Apostel sagten: «Jetzt hat Gott also auch den Nichtjuden … den Weg zum Leben eröffnet.» (Apg 11,18)

«Paulus und Barnabas … forderten sie eindringlich auf, sich ganz auf Gottes Gnade zu verlassen und auf dem jetzt eingeschlagenen Weg zu bleiben.» (Apg 13,43)

«… lasst euch durch nichts vom richtigen Weg abbringen.» (1Kor 15,58)

«… Christus hat ja für euch gelitten und hat euch damit ein Beispiel hinterlassen. Tretet in seine Fußstapfen und folgt ihm auf dem Weg, den er euch vorangegangen ist …» (1Ptr 2,21)


Mt 21,32; Mt 22,16/Mk 12,14; Apg 20,31; Röm 3,12; 1Kor 4,14; 1Kor 4,17; 1Kor 11,32; Gal 3,23; Gal 5,4; Kol 2,4; Kol 3,16; 1Tim 5,15; 1Tim 6,21; Tit 3,11; Hebr 2,1; Hebr 5,2; Jak 5,19; 2Ptr 2,15; 2Ptr 2,21

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