In einer abgrundtiefen Schlucht
hallt der Klang der scharfen Worte nach.
Ein immer wiederkehrendes Echo.
Einmal, zweimal, dreimal.
Wie von einem Wirbelsturm angetrieben,
mit massiver, erbarmungsloser Wucht
schmettern sie gegen das Gestein.
Langsam verwüstend,
mehr und mehr zerstörend.
Stück für Stück,
alles zerfällt, alles schwindet.
Was bleibt ist das gähnende Nichts.

Ein regenreicher Tag,
kleine, feine Tropfen.
Vertraut, normal, alltäglich.
Doch dann,
ihre Berührungen
andersartig, eigenartig, merkwürdig.
Wehrlos nach Antworten suchend,
mit Scham die Ungereimtheiten deckend,
bleibt die kleine Kreatur im Regen stehen.
Ausgeliefert, ohne Hilfe.
Vertraute Regentropfen werden zu ätzender Säure.
Was bleibt ist das unerkannte Schweigen.

Ein Ball wie vom Märchenland entsprungen,
mit purpurroter Farbe überzogen,
funkelnder als jedes Ballkleid.
Für die Kinderaugen reflektiert er die ganze Welt.
Eine naive Welt. Eine unschuldige Welt. Eine erwartungsvolle Welt.
Aufgeregt, mit roten Backen,
übergibt sie das Geschenk.
Ein sanfter, unbeholfener Wurf –
in der gleichen Sekunde
prallt er zurück wie ein Boomerang.
Abgewiesen! Missbilligt! Verweigert!
Was bleibt ist der verwaiste Schmerz.

Von fern und doch bedrohlich nahe,
künden sich die Elefanten mit imposantem Trompeten an.
Mit kraftstrotzenden Schritten marschiert die Herde voran.
Der Moment, wenn die Savanne erbebt,
Grosse und Kleine, Jagende und Gejagte,
alle Wüstenbewohner ihre Häupter erheben.
Die Anspannung lässt erzittern, die Bewunderung erschaudern.
Erde und Sand aufwirbelnd,
hält die führende Truppe Einzug.
Die Autorität tritt genauso ehrfurchtsgebietend auf,
nur nicht so fröhlich, nur nicht so spielerisch, nur nicht das Leben prophezeiend.
Was bleibt ist der tiefsitzende Schrecken.

Oh, dieses Kind, wie kannst du nur überleben?
Es bedarf
nur einen Schimmer der Finsternis.
Alles ist wieder aufgerissen,
alles wieder blutend,
alles wieder peinigend.
Bissiger Todesgeruch lässt nach Atem ringen.
Zweifel wüten wie ein ungestümer Hurrikan.
Kann ein Ende einem Anfang Platz machen?
Ist eine Normalität möglich?

Wird eine Narbe aus dem Eiter entstehen?
Oh, dieses Kind in mir, wirst du jemals Frieden finden?

Plötzlich,
eine sanfte Stimme.
Leise haucht sie in mein Ohr,
wie ein Wind mit seinen Blättern spricht:
„Sei ganz still, meine Tochter!
Halte inne!
Deine Wunden werde ich heilen,
für Gutes werde ich sie brauchen.
Andere zu lieben werde ich dich lehren,
weil du lernst in meiner Liebe dich aufzuhalten.
Stark wirst du sein,
weil du bei mir schwach sein darfst.
Klammere dich an mich,
lass mich nicht mehr los!
Mein Versprechen gilt!
Nichts wird mich aufhalten,
ich habe einen Plan für dich.
Unmöglich kenne ich nicht.“


© G.S.

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