von Waldemar Grab

Wenn Vögel zwitschern in den Zweigen
und Krokusse ihr Mäulchen zeigen,
wenn Lämmer von den Wiesen naschen
um Sonnenstrahlen zu erhaschen,
wenn Weidenkätzchen endlich stauben,
Poeten sich den Reim erlauben,
wenn Schmetterlinge Foxtrott tanzen
und Menschen den Balkon bepflanzen;

Wenn ‚Frühlingsanfang‘ im Kalender
dem Winter nimmt die Regimenter,
wenn das Gefühl fährt Achterbahn
bei kiloweise Marzipan,
wenn am Grill ein Opferlamm
wie einst beim alten Abraham
sich langsam an der Kurbel dreht
und leise anmahnt:’Null-Diät!‘;

Wenn kleine Nester überall,
mit bunten Eiern aus dem Stall
und braune Schokoladenhasen
vor grossen Osterglocken-Vasen
in unserm Land die Welt verschönen:
Dann sollt man sich still versöhnen.

Wenn vierzig Tage Fastenzeit
schmelzen die Begierlichkeit,
dann will auch mal die Seele ruh’n,
nach all der Arbeit, all dem Tun.
Kurzum: Es ist schon wieder mal so weit:
Die Christen feiern Osterzeit!

Wenn vor der Kirche Hasenohren –
und in ihr drin steh’n die Pastoren,
woll’n sie uns sinnig dran erinnern,
die Tage auch mal zu verinnern:
‚Vor zwei Millennien er geboren –
der Ursprung für das Abendland,
und dass für alle, die verloren,
Jesus Christus auferstand!

Waldemar Grab

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