Es ist die Nacht vom 14. auf den 15. April 1912, als draußen im eisgespickten Atlantik südöstlich der Ostküste Kanadas ein kleines Loch, gerade mal groß genug, dass ein Mann bequem hindurchkriechen kann, die demonstrierte Selbstüberschätzung der Menschen innerhalb weniger Stunden auf über viertausend Meter Tiefe schickt. Damals, vor über 100 Jahren, schrammte die vermeintlich unsinkbare Titanic aufgrund der fehlerhaften Selbsteinschätzung der Konstrukteure und des Kapitäns auf 41 Grad 46 Minuten nördlicher Breite und 50 Grad 14 Minuten westlicher Länge an einem relativ kleinen Eisberg entlang. Ein kleines Loch von etwas mehr als einem Quadratmeter Größe reichte aus, um den 269 Meter langen und rund 50’000 Tonnen schweren Riesendampfer zu versenken. Mehr als 2000 Menschen fanden in den eisigen Gewässern des Nordatlantik einen grauenvollen Tod. Nur knapp ein Drittel der Passagiere konnte von herbei geeilten Schiffen gerettet werden. Und es hätte, wie so oft im Leben, nicht zu der Katastrophe kommen müssen.

Vollmundig war die Titanic als «Weltwunder» der damaligen Zeit gepriesen worden. Als Wunderwerk der Technik, vermeintlich die Krönung der Schaffenskraft der Menschen. Der absolute Inbegriff von Luxus und Selbstverwirklichung. Und der Unsinkbarkeit. All dies sollte mit der Jungfernfahrt entsprechend zelebriert und gefeiert werden. Nicht weniger als 16’000 Flaschen Alkohol hatte man zu diesem Zweck in den Laderäumen gebunkert. Aber es kam, wie wir alle wissen, anders als geplant.

Trotz Warnungen von Ingenieuren und Konstrukteuren im Vorfeld, ja selbst auf der Fahrt noch und obwohl unablässig Warnungen vor treibenden Eisbergen über Funk durchgegeben wurden, glaubten die Verantwortlichen auf dem Schiff, es besser zu wissen und besser zu können. Die Warner wurden als Miesmacher und Spielverderber abgetan, Gehör und Glaube gehörte wortwörtlich den Schalmeienklängen der «Wird-schon-gutgehen-Fraktion».

Man kann sich sicher zu recht die Frage stellen, ob wir als ganze Gesellschaft heutzutage nicht wieder in einer ähnlichen Situation sind, wie damals die Passagiere der Titanic. Wir leben, als gäbe es keine «treibenden Eisberge». Als sei alles unter Kontrolle und absolut im grünen Bereich. Wir handeln, als sei unser «Lebensdampfer» unsinkbar. Und damit meine ich nicht nur «die Anderen», sondern durchaus auch uns – auch mich selbst. Wir verschwenden Ressourcen, die wir im Grund nicht haben. Verschmutzen und vernichten Lebenselemente, als gehörten diese uns allein. Produzieren Abfall, für den wir auf 4000 und mehr Generationen hinaus die Garantie übernehmen, dass kein Eisberg ihm zur Gefahr werden kann. Und – wir hören nicht auf die Propheten, die uns zurufen: Besinnt euch! Besinnt euch darauf, dass ihr Verantwortung tragt! Verantwortung vor euren Kindern und Enkeln, vor den anderen Menschen dieser Welt. Und vor allem auch Verantwortung vor dem Schöpfer dieses Wunders «Planet Erde». Verantwortung im Tun, aber durchaus auch im Denken, Reden und Handeln.
Vielleicht könnte uns der traurige Jahrestag – «Jubiläum» wäre ja wohl der falsche Ausdruck – deshalb zum Anlass werden, uns wieder auf unsere wahre Größe zu besinnen. Wieder etwas mehr Demut zu zeigen. Uns in Erinnerung zu rufen, dass unser Lebensschiff absolut nicht unsinkbar ist, wie sehr dies auch propagiert wird. Es braucht im Leben eines jeden Einzelnen von uns nur einen kleinen Eisberg, und schon haben wir ein Loch im Rumpf. Ein kleines Loch, das wir jedoch nicht mehr selbst «stopfen» können und welches unser Schiff deshalb sehr rasch zum Sinken bringen kann. Keiner kann «seine Titanic» selbst am Schwimmen halten. Wohl dem, der in solchen Momenten darauf vertrauen darf, dass der Rettungsdampfer schon bereit steht. Und dass darauf bereits ein kleines Fleckchen Platz frei- und warme Decken bereitgehalten sind. Die meisten Passagiere der Titanic fanden dort draußen im Eismeer keinen solchen Rettungsdampfer. Ich hoffe von Herzen, dass sie diesen wenigsten im Sterben gefunden haben. Und ich bete darum, dass in dieser Welt mehr als ein Drittel der «Passagiere» die weise Vorsorge treffen, und sich bereits im Leben einen Platz darauf reservieren. Christen sagen, dieser Dampfer habe einen bestimmten Namen. Er lautet: Jesus, der Christus. Ostern ist das wichtigste Fest der Christen. An diesem Tag feiern sie den Tag, an welchem das Grab mit dem ermordeten Jesus plötzlich wieder leer war. Ein leeres Grab, welches bis zum heutigen Tag niemand glaubhaft anders, als mit dem Auferstandenen erklären konnte. Ein leeres Grab, welches die Christen als Wunder Gottes bezeichnen. Und das den ermordeten Jesus zum auferstandenen Christus machte, damit die Menschen gerettet werden könnten.


© Text:weem; Bilder:Wikipedia / unveränderter Abdruck unter Quellennennung und gegen Beleg erlaubt; Textkorrekturen und Kürzungen nur in Absprache mit dem Autor.

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